Schon in meinen ersten Ausbildungsjahren schienen Bauten mit geringem Energieverbrauch und geringer Umweltbelastung ihres gestalterischen Wertes beraubt und ohne jede Poesie.

Die Referenzgebäude, ob klein, mittel oder groß, wurden oft ohne jeden Bezug zum Ort entworfen und sahen sich alle ähnlich: kompakte Formen, große Fenster nach Süden, korrekt bemessene Dachüberstände.

Themen wie Verbrauchsreduzierung, Energieeffizienz und Zertifizierung, natürliche Materialien, Schichtaufbauten, Analyse und Lösung von Wärmebrücken schienen die einzigen Inhalte des Entwerfens zu sein. Diese objektiv unverzichtbaren Praktiken reichten nicht und reichen bis heute nicht aus, um der entstehenden Architektur eine eigene Seele zu geben.

Wer diese Werte dogmatisch übernimmt und sie zwar tadellos, aber steril anwendet, bleibt im Bereich des Bauens. Architektur braucht viel mehr: Raum, Licht, Schwere, Leichtigkeit, Empathie und Emotion.

Bauen vs Architektur
Bauen vs Architektur

Wir alle, ob Architekten oder nicht, werden von den großen Meisterwerken der Geschichte berührt; an ein gut gebautes, „beseeltes“ Gebäude erinnern wir uns wegen des Staunens, als wir es entdeckten, betrachteten, durchschritten und bewohnten. Niemand erinnert sich an den Wandaufbau oder daran, wie vorbildlich es in Sachen Energieeinsparung ist.

Natürlich sage ich das bewusst provokant, ohne meine Ausbildungsjahre und meine ersten Erfahrungen in der Praxis zu verleugnen; die Welt braucht aber vor allem Schönheit – und eben Seele.

Die Seele, die der Planer suchen muss und die der Bauherr in dem Projekt, das er in Auftrag gegeben hat, einfordern und wiederfinden soll.

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