Nur selten lese ich ein Buch, das die Kraft hat, meine Art zu entwerfen und über Architektur nachzudenken zu verändern. Capire lo spazio architettonico (Den architektonischen Raum verstehen) von Cesare de Sessa war eine wichtige, in mancher Hinsicht revolutionäre Lektüre.

Der Autor war ein Schüler von Bruno Zevi und hat wie sein Lehrer äußerst klare und präzise räumliche Bezüge. Das Buch ist nicht einfach, hinterlässt aber eine sehr wichtige Botschaft, die wir oft vergessen: Der Raum wirkt objektiv auf den Einzelnen und auf die Masse, er lenkt Gewohnheiten, Handlungen und Gedanken.
Es scheint kaum vorstellbar, doch Architekten – und alle, die Räume gestalten – haben die Macht, das Leben der künftigen Nutzer dieser Gebäude und Orte zu verändern. Es gibt eine über Jahrhunderte gewachsene architektonische Grammatik aus Archetypen und Raumvorstellungen, aus der wir beim Arbeiten mehr oder weniger bewusst schöpfen. Diese Vokabeln können den Alltag der Menschen zum Guten wie zum Schlechten verändern.

Raum kann uns erdrücken – oder atmen lassen.


Capire lo spazio architettonico – Cesare de Sessa
Capire lo spazio architettonico – Cesare de Sessa

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