figino: the sustainable village
figino (mi)
- Jahr
2012
- Bauherr
polaris real estate
- Größe
7.500 m² - 22.500 m³
- Kosten
44.000.000 euro
- Status
realisiert
- Team
LCA architetti + roberto mascazzini + paolo favole + studio castiglioni & nardi aa + arup italia + D&D
-
+ Beschreibung
Das erste Merkmal des Projekts ist seine städtebauliche Anlage. Das ortstypische Muster von Figino – Höfe und offene Innenhöfe entlang einer Hauptstraße – wurde an die neue Grenze zwischen gewachsenem Dorf und Feldern übertragen; so entsteht wieder ein Gelenk zwischen Dorf und Land, wo das alte von der Bebauung der letzten Jahrzehnte erstickt worden war. Die neuen Höfe öffnen sich zur Hauptstraße, während die Blöcke weitere Innenhöfe umschließen, die sich abwechselnd zum Dorf (als kleine Plätze) und zu den Feldern (als Gärten und Gemüsegärten) öffnen. Straße, Plätze und Gärten bilden ein in alle Richtungen durchlässiges Netz öffentlicher Fußgängerräume; die Wohnung dagegen ist Endpunkt einer räumlichen Abfolge, die vom öffentlichen Raum über die halbprivaten Gemeinschaftshöfe bis in den privaten Wohnraum führt. Die Hauptstraße ist Ort des Austauschs und der Verbindung: An ihr liegen öffentliche, gewerbliche und wohnungsnahe Dienstleistungen. Die zentrale Achse ist eine Straße – keine monumentale Prachtachse, sondern ein informeller Weg, an dem sich die wesentlichen, lebendigen Funktionen der Gemeinschaft aufreihen. Alle Höfe öffnen sich zur Fußgängerstraße und lassen, paarweise einander gegenüber, ihre Räume ineinanderfließen. Das visuelle Kontinuum wird teilweise von den niedrigen Bauten an der Straße gefiltert, die die Grenze zwischen öffentlichem Raum (Straße) und halböffentlichem Raum (Wohnhof) markieren. An den Enden der Achse liegen zwei Plätze: im Westen der Bürgerplatz, im Osten der ökologische Platz mit Eco-Club, Living Room, Gemüsegärten sowie Spiel- und Gemeinschaftsflächen für das Leben im Freien. Der Bürgerplatz wird zum Hauptplatz des ganzen Ortes, der bisher keinen hat. Ein italienischer Platz ist kaum vorstellbar ohne Bar, ohne Restaurant mit Tischen im Freien, ohne Geschäfte oder wichtige öffentliche Gebäude. Der neue Bürgerplatz von Figino bietet all das: Co-Working, Post, Bankschalter, betreutes Wohnen, Arkaden und Wege – und wie in einem Amphitheater blicken die einzigen Laubenganghäuser darauf; so soll der visuelle wie physische Austausch verstärkt werden, der Platz wird zum Zuschauerraum, zum Ort der Inszenierung. In der Mitte liegt ein dicht bepflanzter „Stadtrasen“, der den Wechsel der Jahreszeiten anzeigt, durchzogen von Wegen mit Möblierung zum Verweilen und Begegnen. Bürgerplatz, ökologischer Platz und bestehender Kirchplatz bilden ein dreipoliges System, das das Dorf belebt und auch alte, fast vergessene, aber noch erkennbare Wege erneuert, die durch die alten Bauernhöfe zu den neuen Plätzen zwischen den Blöcken des nachhaltigen Dorfes führen. Zwischen Pfarrzentrum und künftigem Bürgerzentrum liegt ein vielfältig gestaltetes Grünband, das zusammen mit einer breiten Rad- und Fußgängerpromenade die Freizeitwege leitet und Räume unter freiem Himmel für Begegnung, Spiel und Erholung bietet – ergänzt durch Beete mit saisonalen Blumen und Bäumen, Wasserflächen zur Klimaregulierung und Getreide- und Gräserstreifen als Erinnerung an die bäuerliche Herkunft des Gebiets. Die Architektur nimmt die räumliche Gestalt des Dorfes auf und interpretiert sie. Ihre Sprache sind fließende Formen, die sich vom Grundriss in die Ansicht fortsetzen, sanfte Kontrapunkte von Masse und Leere; der Sockel übernimmt die Materialien des Belags, sodass sich die Straße in der Architektur fortsetzt und umgekehrt. Die Dachlinie ist eine gebrochene Linie, ein „Origami“-Dach mit bewegtem, unregelmäßigem Profil – ein sanfter Übergang in den Raum, den Aalto „langsam“ genannt hätte. Diese Fließbewegung setzt sich auf den Fassaden fort, die ohne Dachüberstand ganz vom Licht umspült werden. Die Wohnungsaufteilung ändert sich von Geschoss zu Geschoss und zeigt sich in unregelmäßig verteilten Öffnungen und Rücksprüngen. Die Grundstruktur bleibt stets dieselbe – der „Basso continuo“, auf dem jeder Hof, jeder Baukörper, jede Fassade eigenständig, aber auf diese Basis bezogen „spielen“ kann. Gebaut wird mit geschichteten, vollständig trocken montierten Holzsystemen. Das System ist vollständig modular und vorgefertigt, einschließlich der Badmodule. Die Gebäude erreichen die Energieklasse A und sind besonders umweltverträglich. Das Tragraster erlaubt große Grundrissflexibilität und befreit die Fassade von statischen Zwängen.
- projekte
-
- WOHNUNGSBAU
- WOHNHäUSER
- INNENARCHITEKTUR
- INDUSTRIEBAU
- MASTERPLAN
- ARBEITSWELTEN
- HOTELLERIE
- ÖFFENTLICHE BAUTEN
- DESIGN KUNST
figino: the sustainable village
figino (mi)
- Jahr
2012
- Bauherr
polaris real estate
- Größe
7.500 m² - 22.500 m³
- Kosten
44.000.000 euro
- Status
realisiert
- Team
LCA architetti + roberto mascazzini + paolo favole + studio castiglioni & nardi aa + arup italia + D&D
-
+ Beschreibung
Das erste Merkmal des Projekts ist seine städtebauliche Anlage. Das ortstypische Muster von Figino – Höfe und offene Innenhöfe entlang einer Hauptstraße – wurde an die neue Grenze zwischen gewachsenem Dorf und Feldern übertragen; so entsteht wieder ein Gelenk zwischen Dorf und Land, wo das alte von der Bebauung der letzten Jahrzehnte erstickt worden war. Die neuen Höfe öffnen sich zur Hauptstraße, während die Blöcke weitere Innenhöfe umschließen, die sich abwechselnd zum Dorf (als kleine Plätze) und zu den Feldern (als Gärten und Gemüsegärten) öffnen. Straße, Plätze und Gärten bilden ein in alle Richtungen durchlässiges Netz öffentlicher Fußgängerräume; die Wohnung dagegen ist Endpunkt einer räumlichen Abfolge, die vom öffentlichen Raum über die halbprivaten Gemeinschaftshöfe bis in den privaten Wohnraum führt. Die Hauptstraße ist Ort des Austauschs und der Verbindung: An ihr liegen öffentliche, gewerbliche und wohnungsnahe Dienstleistungen. Die zentrale Achse ist eine Straße – keine monumentale Prachtachse, sondern ein informeller Weg, an dem sich die wesentlichen, lebendigen Funktionen der Gemeinschaft aufreihen. Alle Höfe öffnen sich zur Fußgängerstraße und lassen, paarweise einander gegenüber, ihre Räume ineinanderfließen. Das visuelle Kontinuum wird teilweise von den niedrigen Bauten an der Straße gefiltert, die die Grenze zwischen öffentlichem Raum (Straße) und halböffentlichem Raum (Wohnhof) markieren. An den Enden der Achse liegen zwei Plätze: im Westen der Bürgerplatz, im Osten der ökologische Platz mit Eco-Club, Living Room, Gemüsegärten sowie Spiel- und Gemeinschaftsflächen für das Leben im Freien. Der Bürgerplatz wird zum Hauptplatz des ganzen Ortes, der bisher keinen hat. Ein italienischer Platz ist kaum vorstellbar ohne Bar, ohne Restaurant mit Tischen im Freien, ohne Geschäfte oder wichtige öffentliche Gebäude. Der neue Bürgerplatz von Figino bietet all das: Co-Working, Post, Bankschalter, betreutes Wohnen, Arkaden und Wege – und wie in einem Amphitheater blicken die einzigen Laubenganghäuser darauf; so soll der visuelle wie physische Austausch verstärkt werden, der Platz wird zum Zuschauerraum, zum Ort der Inszenierung. In der Mitte liegt ein dicht bepflanzter „Stadtrasen“, der den Wechsel der Jahreszeiten anzeigt, durchzogen von Wegen mit Möblierung zum Verweilen und Begegnen. Bürgerplatz, ökologischer Platz und bestehender Kirchplatz bilden ein dreipoliges System, das das Dorf belebt und auch alte, fast vergessene, aber noch erkennbare Wege erneuert, die durch die alten Bauernhöfe zu den neuen Plätzen zwischen den Blöcken des nachhaltigen Dorfes führen. Zwischen Pfarrzentrum und künftigem Bürgerzentrum liegt ein vielfältig gestaltetes Grünband, das zusammen mit einer breiten Rad- und Fußgängerpromenade die Freizeitwege leitet und Räume unter freiem Himmel für Begegnung, Spiel und Erholung bietet – ergänzt durch Beete mit saisonalen Blumen und Bäumen, Wasserflächen zur Klimaregulierung und Getreide- und Gräserstreifen als Erinnerung an die bäuerliche Herkunft des Gebiets. Die Architektur nimmt die räumliche Gestalt des Dorfes auf und interpretiert sie. Ihre Sprache sind fließende Formen, die sich vom Grundriss in die Ansicht fortsetzen, sanfte Kontrapunkte von Masse und Leere; der Sockel übernimmt die Materialien des Belags, sodass sich die Straße in der Architektur fortsetzt und umgekehrt. Die Dachlinie ist eine gebrochene Linie, ein „Origami“-Dach mit bewegtem, unregelmäßigem Profil – ein sanfter Übergang in den Raum, den Aalto „langsam“ genannt hätte. Diese Fließbewegung setzt sich auf den Fassaden fort, die ohne Dachüberstand ganz vom Licht umspült werden. Die Wohnungsaufteilung ändert sich von Geschoss zu Geschoss und zeigt sich in unregelmäßig verteilten Öffnungen und Rücksprüngen. Die Grundstruktur bleibt stets dieselbe – der „Basso continuo“, auf dem jeder Hof, jeder Baukörper, jede Fassade eigenständig, aber auf diese Basis bezogen „spielen“ kann. Gebaut wird mit geschichteten, vollständig trocken montierten Holzsystemen. Das System ist vollständig modular und vorgefertigt, einschließlich der Badmodule. Die Gebäude erreichen die Energieklasse A und sind besonders umweltverträglich. Das Tragraster erlaubt große Grundrissflexibilität und befreit die Fassade von statischen Zwängen.
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